Das Katastrophenschutzzentrum des Landkreises Südwestpfalz in Rodalben hält Gerätschaften und Material für größere Schadenslagen vor. Im Hintergrund rechts ist gerade der Abrollbehälter Aufenthalt aufgebaut.
Das Wechselladerfahrzeug der Facheinheit Logistik im Katastrophenschutzzentrum Rodalben - hier beladen mit dem Abrollbehälter Veterinärwesen, der bei Tierseuchen zum Einsatz kommt.
Übersichtlich sortiert und auf Paletten rasch verladbar ist das Material im Katastrophenschutzzentrum Rodalben gelagert.
Wenn Hochwasser Straßen überflutet, ein Sturm Dächer abdeckt oder ein Waldbrand ausbricht, zählt jede Minute. Im Landkreis Südwestpfalz rücken dann die freiwilligen Feuerwehren aus. Doch für größere Schadenslagen hält der Landkreis Südwestpfalz mehrere spezialisierte Katastrophenschutzeinheiten vor. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Logistikeinheit im 2022 gebauten Katastrophenschutzzentrum in Rodalben.
Nach dem rheinland-pfälzischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz sind die Landkreise verpflichtet, Vorsorge für größere Schadenslagen und Katastrophen, wie zum Beispiel Waldbrände, Hochwasser und Sturzfluten, Gefahrstoffunfälle oder flächendeckende Stromausfälle, zu treffen. Um seine Aufgaben zu erfüllen, hält der Landkreis an verschiedenen Standorten spezielle Facheinheiten vor. Hierzu zählen beispielsweise die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Sanitätsdienst, die bei einer größeren Zahl von Verletzten eingesetzt wird, die SEG Betreuung/Versorgung zur Unterstützung und Verpflegung von Betroffenen oder Einsatzkräften, der Gefahrstoffzug für Einsätze mit gefährlichen Stoffen sowie die Facheinheit Informations- und Kommunikationswesen (IuK) zur Sicherstellung der Einsatzkommunikation. Alle Einheiten setzen sich aus Freiwilligen zusammen, die im Ernstfall aus ihrer Freizeit oder vom Arbeitsplatz aus zur Unterkunft eilen, um gemeinsam auszurücken.
Abrollbehälter für verschiedene Lagen
Am Standort Rodalben ist die Facheinheit Logistik untergebracht. Das neue Gebäude konnte im Sommer 2022 eingeweiht werden, mittlerweile sind dort ein Wechselladerfahrzeug (WLF) und zahlreiche Abrollbehälter stationiert. Beim Wechselladerfahrzeug handelt es sich um ein LKW-Fahrgestell ohne festen Aufbau. Mit einer hakenähnlichen Vorrichtung können unterschiedliche Abrollbehälter aufgenommen und an die Einsatzstelle transportiert werden. Ein zweites Wechselladerfahrzeug mit Kraneinrichtung soll im Laufe des Jahres in Dienst gestellt werden.
Derzeit hat der Landkreis bereits die Abrollbehälter Aufenthalt, Logistik, Mulde sowie Veterinärwesen beschafft. Ein Abrollbehälter Unwetter, der mit Pumpen, mobilen Hochwasserbarrieren, Notdächern und weiterem Material zur Soforthilfe bei solchen Schadenslagen ausgerüstet ist, soll ebenfalls noch im Laufe dieses Jahres geliefert werden. Zudem läuft gerade der Beschaffungsprozess für einen Abrollbehälter Waldbrand.
Weniger Fahrgestelle - geringere Kosten
Der große Vorteil des Wechselladersystems ist, dass LKW-Fahrgestelle eingespart werden können: Die beiden Fahrzeuge transportieren lediglich die Container mit dem Material für die jeweilige Einsatzlage an die Einsatzstelle. Werden vor Ort beispielsweise Sandsäcke gebraucht, kommt der Abrollbehälter (AB) Mulde zum Einsatz. Beim Transport von Paletten oder Rollcontainern wird der AB Logistik verwendet, der über eine Hebebühne verfügt und somit mittels Hubwagen schnell mit Paletten beladen werden kann. Der AB Aufenthalt kann bei länger andauernden Einsätzen von den Einsatzkräften zum Aufwärmen oder zum Anlegen trockener Wechselkleidung genutzt werden. In ihm können auch Lagebesprechungen stattfinden. Darüber hinaus hält der Landkreis Südwestpfalz im Rahmen des Tierseuchenverbunds Westpfalz gemeinsam mit anderen Landkreisen zwei AB Veterinärwesen vor. Diese sind beispielsweise mit mobilen Desinfektionsschleusen für Fahrzeuge bestückt, die bei Tierseuchen, wie etwa der Schweinepest, zum Einsatz kommen.
Im Katastrophenschutzzentrum sind zudem zahlreiche weitere Geräte für verschiedene Schadenslagen untergebracht, darunter tragbare oder fahrbare Notstromaggregate, um bei Stromausfällen kritische Einrichtungen mit Strom zu versorgen, mobile Hochwasserschutzwände, die bei Starkregenereignissen wie etwa an Pfingsten 2024 gefährdete Objekte sichern, mobile Tankstellen, um Einsatzfahrzeuge auch bei längeren Stromausfällen mit Kraftstoff versorgen zu können, sowie weitere Notdächer, um etwa nach einem Dachstuhlbrand oder einem Sturm- oder Hagelunwetter beschädigte Dächer behelfsmäßig abzudichten.
Personal aus drei Verbandsgemeinden
In den Einsatz gebracht und bedient werden die Gerätschaften von der Facheinheit Logistik, die sich derzeit aus rund 25 Angehörigen des Katastrophenschutzes zusammensetzt, die aus verschiedenen Verbandsgemeinden im Landkreis stammen. Die im Katastrophenschutzzentrum vorgehaltenen Einsatzmittel kommen nicht nur bei Großschadenslagen zum Einsatz, sie können auch von den Verbandsgemeinden im Landkreis Südwestpfalz oder benachbarten Landkreisen sowie beispielsweise den Städten Pirmasens und Zweibrücken im Wege der Nachbarschaftshilfe angefordert werden.